Beratung in Not

Das Diakoniewerk beteiligt sich an einer landesweiten Protestaktion. Ziel: Auf die prekäre Situation der Beratungsstellen aufmerksam machen.

Das Diakonische Werk Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat heute in Schwerin zur landesweiten Protestaktion „Beratung in Not. Menschen in Krisen nicht allein lassen“ aufgerufen. Daran beteiligt sich auch das Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg, zu dem zahlreiche Beratungsstellen in Wismar, Grevesmühlen und Gadebusch gehören.

Ziel der Aktion ist es, mit Bannern und Postern an diakonischen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern auf die prekäre personelle und finanzielle Situation der Beratung aufmerksam zu machen. Egal ob Schuldner-, Familien- oder Suchtberatung: bisher ist völlig unklar, mit welcher finanziellen Förderung die Träger von Beratungsstellen im Jahr 2022 planen können. „Die finanzielle Ausstattung der Beratungsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern ist seit Jahren nicht auskömmlich. Das Land, die kreisfreien Städte und die Landkreise haben dafür Sorge zu tragen, dass Menschen in Notsituationen zeitnah und ortsnah ein Beratungsangebot in Anspruch nehmen können“, so Kirsten Balzer, Geschäftsführerin des Diakoniewerks im nördlichen Mecklenburg.

Zum Hintergrund: Mit Inkrafttreten des zweiten Teils des Wohlfahrtsfinanzierungs- und Transparenzgesetzes (WoftG M-V) am 1. Januar 2022 überträgt das Land die Verantwortung für die Beratung an die Kommunen und stellt jeweils nur noch so viele finanzielle Mittel zur Verfügung, wie die Kommunen ihrerseits aufbringen. „Es darf nicht passieren, dass die finanzielle Lage der Kommune darüber bestimmt, ob die Menschen hier in Wismar und Umgebung Unterstützung in ihrer Not bekommen“, so Friedemann Ulrich, Geschäftsbereichsleiter der Sozialen Hilfen des Diakoniewerks. Zudem brauche es Regelungen, die sicherstellen, dass die Finanzierung der vorhandenen Strukturen nicht kurzfristig wegbricht. „Die Beratungsangebote müssen mindestens mit den derzeitigen Landesmitteln gefördert werden.“

Dabei ist die Situation bereits heute vielerorts angespannt. Klienten müssen schon jetzt mehrwöchige Wartezeiten in Kauf nehmen. „Wer zu uns in die Ehe-, Familien- und Lebensberatung oder die Schuldnerberatung kommen möchte, muss bis zu zehn Wochen warten. Für Menschen, die sich in einer Krise befinden, ist das eine viel zu lange Zeit“, so Kirsten Balzer. Sie befürchtet, dass sich durch das gerade verabschiedete Gesetz die Wartezeiten ab dem kommenden Jahr noch weiter verlängern.

Das Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg ist Träger von zahlreichen Beratungsstellen in Wismar, Grevesmühlen und Gadebusch. Dazu zählen die Themen Suchtberatung, Sozialberatung, Schuldnerberatung, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, Partnerschafts-, Familien- und Lebensberatung, Erziehungsberatung, Teilhabeberatung und Migrationsberatung. 

Zurück